Peer Learning: Zusammen lernt man weniger allein

Wie wir die Freude an Weiterbildung und am lebenslangen Lernen fördern und niemals damit aufhören.

»Lebenslanges Lernen« lernen

In meiner Ausbildung zur Mediengestalterin stand »Lebenslanges Lernen« auf dem Lehrplan. Wir haben darüber gesprochen, dass sich Technik und Tools ständig weiterentwickeln und es deswegen wichtig ist, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Damals dachte ich mir: »Das ist doch klar! Wie sollte ich jemals aufhören zu lernen?«

Während der Ausbildung und im anschließenden Studium konnte ich dann gar nicht anders, als neue Inhalte aufzusaugen. Und heute – angekommen im Berufsalltag – merke ich, dass ich mir die Frage noch einmal ganz neu und aus einer anderen Perspektive stelle: »Wie funktioniert eigentlich lebenslanges Lernen?« Denn selbst wenn ich Lernbereitschaft mitbringe, wird neuer Input nicht mehr auf dem Silbertablett serviert.

Nicht ohne meine Peer Group

Vor meiner Festanstellung bei SCHUMACHER habe ich einige Monate als Freelancerin gearbeitet. Eine interessante Erfahrung, weil ich meine Projekte selbst aussuchen und entwickeln konnte. Gleichzeitig hat mir eins gefehlt: Das Team! Mit Kolleg:innen über passende Farbnuancen fachsimpeln oder die gemeinsame Vorbereitung des Kickofftermins – das habe ich zunehmend vermisst.

Klar, Netzwerken geht auch wunderbar als Freelancer:in. Momentan genieße ich es aber sehr, fester Bestandteil eines interdisziplinären Teams zu sein, in dem Austausch, Sparring und Mentoring zum Alltag gehören. Gerade als Berufsanfängerin merke ich, wie ich einerseits Ideen einbringen kann und zugleich von der langjährigen Erfahrung meiner Kolleg:innen profitiere. Neulich erst habe ich gelernt, dass diese Art des Lernens »Peer Learning« genannt wird.

Dabei geht es darum, dass eine Gruppe von Menschen von- und miteinander lernt. Die direkte Übersetzung von »peer« ist »Gleichaltrige«. Doch auf das Alter kommt es dabei nicht an. Vielmehr geht es um einen Austausch auf Augenhöhe. Doch auch unter Kolleg:innen stellt sich nicht automatisch eine vertraute Lernatmosphäre ein. Die Erfahrung haben wir alle schon gemacht, oder? Es reicht nicht zu einem Team zu gehören, damit ein Teamgefühl entsteht. Was brauchen wir also, damit Peer Learning wirklich funktioniert?

Von und miteinander lernen

Die Grundlagen für das Entstehen einer »Peer Group«, die Lust auf gemeinsames Arbeiten und Lernen hat, sind meines Erachtens: Zeit, Raum und vor allem geeignete Strukturen. Bei SCHUMACHER wurden bereits einige Formate etabliert, die den Austausch fördern und das Voneinanderlernen zum Ziel haben. Etwa der MakerDay – ein internes Barcamp. In einzelnen Sessions wird hier Wissen geteilt und aktuelle Fragen diskutiert. Zusätzlich treffen sich die verschiedenen Units regelmäßig am »FocusDay«, bei dem Themen rund um Tools, Trends und Workflows besprochen werden. So kommen Designer:innen zusammen, um über die besten Möglichkeiten einer Schriftenverwaltung zu diskutieren und die Projektmanager:innen besprechen, wie sie Arbeitsabläufe noch effektiver gestalten können. Durch Formate dieser Art entsteht einerseits ein fachlicher und andererseits ein interdisziplinärer Austausch.

Zeit ist kostbar – vor allem im Home Office

Auch wenn Peer Learning bei SCHUMACHER längst fester Bestandteil der Unternehmenskultur ist, sollten die Möglichkeiten des gemeinsamen Lernens immer wieder neu ausgelotet werden. Denn Team und auch äußere Umstände sind in stetigem Wandel. Spätestens seit dem ersten Lockdown wurde klar, dass das Arbeiten im Team remote ganz anders funktioniert. Das liegt zu großen Teilen daran, dass man sich nicht mehr regelmäßig im Büro trifft. Dadurch entfallen gemeinsame Mittagspausen, spontane Schulterblicke und die klassischen Zwischen-Tür-und-Angel-Gespräche. Außerdem scheint die Uhr im Videocall irgendwie anders zu ticken, als wenn ich mich mit meinen Kolleg:innen im Besprechungsraum treffe und echte Post-its an die Wand klebe.

Skype-Mittagspause und Zoom-Sekt

Vermutlich haben das viele Unternehmen in den letzten Jahren gemerkt: Bereits etablierte Methoden und Strukturen sind nicht eins zu eins in die digitale Zusammenarbeit übertragbar. Natürlich könnte man sich in der Mittagspause auch mit den Kolleg:innen zusammenschalten und gemeinsam essen. Die meisten sind aber wahrscheinlich froh für ein paar Minuten nicht auf ihren Screen zu starren. Hier ist also eine gewisse Transferleistung gefragt, wie lockerer Austausch auch im Digitalen stattfinden und man das Gemeinschaftsgefühl aufrecht erhalten kann. Damit der Zwischendurch-Schnack, der im Büro so natürlich stattfindet, nicht gänzlich aus dem Arbeitsalltag verschwindet, hilft es Reminder zu setzen. So treffe ich mich beispielsweise montags mit meinen Design-Kolleg:innen, für einen kurzen Inspirations-Austausch. Dort teilen wir das gelungene Branding-Projekt, das uns in der letzten Woche begegnet ist oder diskutieren, ob die neue Linkedin-Kampagne, die gerade viral geht, ethisch korrekt oder doch ein bisschen „over the top“ ist. Ein 20-minütiger Austausch – dafür findet sich fast immer Zeit. Diese Minuten reichen meistens schon um auf eine neue Idee zu kommen oder einfach ein bisschen inspirierter in die Woche zu starten. Und neben Inspiration nehmen wir uns auch immer wieder Zeit auf unsere gelungenen Projekte anzustoßen. Klar es ist ein anderes Gefühl, gemeinsam unter der Discokugel in der Agentur zu stehen. Aber Zoom-Sekt ist immer noch besser als kein Sekt, oder?

Formate, die für unser Team gut funktionieren – jedoch sicher nicht DIE Lösung. Vielmehr geht es darum immer wieder ehrlich zu fragen: »Was brauchen wir und was können wir verbessern?«. Nur durch diese forschende Haltung, kann sich das gemeinsame Arbeiten im Team und somit auch das Team selbst entwickeln.

Lernen priorisieren: Weiterbildung fördern

Reicht also ein offenes Mindset, um Peer Learning zu ermöglichen? Es ist die Grundbedingung. Doch durch Weiterbildung und Austausch im Team fallen nicht abrechenbare Stunden oder auch zusätzliche Kosten an. Die Geschäftsführung muss Teamwork und persönliches Wachstum nicht nur befürworten, sondern priorisieren und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen. Erst dadurch entsteht ein Entwicklungsraum für persönliches Wachstum.

Lebenslanges Lernen ist proaktives Lernen

Doch was bringen die besten Angebote und Formate, wenn wir sie nicht für uns in Anspruch nehmen? Ich habe es schon angedeutet und es ist meine Haupterkenntnis zu diesem Thema: Lebenslanges Lernen ist proaktives Lernen. Das bedeutet für mich einerseits, meine Zeit so zu strukturieren (beziehungsweise zeitliche Ressourcen einzufordern), dass genügend Zeit für Austausch und Weiterbildung bleibt. Andererseits heißt es, mir selbst bewusst zu werden, was ich brauche. Wer weiß besser als ich, in welchen Bereichen noch Wissenslücken zu schließen sind? Und vor allem: Wer weiß besser als ich, was mir wirklich Spaß macht und mich antreibt? Ich habe gemerkt, dass es hilft, klar zu formulieren, in welche Richtung ich mich weiterentwickeln möchte. Das funktioniert zumindest in einem offenen Umfeld, in dem ich mich nicht ständig als Expert:in für alles positionieren muss, sondern auch formulieren darf: »Dieses Thema interessiert mich. Darin möchte ich Expert:in werden.« So kann ich immer mehr in Aufgabenfelder hineinwachsen, die mir wirklich liegen und in denen ich dann auch gute Arbeit leiste. Eine klassische Win:Win-Situation für Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in und am Ende auch für die Kund:in.

Learning by doing

Was im ersten Moment fordernd klingt, ist beim genaueren Hinsehen eigentlich die natürlichste Art zu lernen. So lernen wir laufen, sprechen und essen. Es ist das Gegenteil von Frontalunterricht und Bulimie-Lernen. Ausprobieren, Fragen stellen und uns bei den anderen abschauen, was wir noch nicht können. Diese Art des Lernens anhand von neuen Herausforderungen ist für mich sehr intuitiv und effektiv. Ich speichere und sammele das Wissen, das ich wirklich brauche und kann es dann direkt umsetzen. Wenn ich es selbst herausgefunden und angewendet habe, vergesse ich es auch so schnell nicht mehr. »Learning by doing« oder auch »Learning by making mistakes«. Und das ist doch einer der schönsten Aspekte am Peer Learning. Wir teilen nicht nur unser Wissen mit anderen, sondern auch unsere Erfahrungen. Wir lernen gemeinsam aus unseren Fehlern. In einem Team, in dem wir einander vertrauen und miteinander kommunizieren, muss nicht jeder einmal die Herdplatte anfassen. Was für ein Vorteil.

Teilen

Über den Autor

Eileén Bosselmann
Art Director


Gemeinsam Großartiges erreichen

Jetzt kostenlose Erstberatung vereinbaren!

30 Minuten
Gespräch

Vereinbaren Sie jetzt ein unverbindliches Erstgespräch, in dem wir gemeinsam herausfinden, welche die beste Lösung für Sie und Ihr Unternehmen ist - und, ob wir zusammen passen.